Zuletzt war Karl-Heinz „Charly“ Körbel wegen seiner Pläne für ein Seniorenheim für Ex-Profis bundesweit in den Schlagzeilen. Der Bundesliga-Rekordspieler hat aber scheinbar alle Generationen im Blick. Kürzlich widmete er sich auf dem Gelände von Germania Ober-Roden nämlich dem Fußball-Nachwuchs.

Zweite und dritte Mannschaft überzeugen Jury

Körbel war in seiner Funktion als Leiter der Eintracht Frankfurt Fußballschule bei der Germania zu Gast. Der Verein hatte eines von zehn Fußball-Camps ergattert, das der Energiedienstleister Mainova in seinem Vertriebsgebiet ausgelobt hatte. Mit einem Projekt überzeugte die Germania die Jury. Die Spieler der zweiten und dritten Mannschaft hatten ein ehemaliges Lager unter energieeffizienten Gesichtspunkten in eine Kabine umgebaut. Die Spieler verwendeten ihre Punktprämien der vergangenen Saison für die Arbeiten. Viel Lob für das Engagement der Fußballer gab es am Samstag unter anderem von Martin Koch, dem stellvertretenden Jugendleiter der Germania. Als Belohnung für das Engagement machte die Eintracht-Fußballschule nun zwei Tage bei der Germania Station.

60 Teilnehmer am Camp

60 Jugendfußballer der Germania von der F- bis zur C-Jugend nahmen an dem Camp teil. Charly Körbel war neben dem Mainova-Vorstand Norbert Breidenbach, der in Ober-Roden lebt, und Bürgermeister Roland Kern bei der Eröffnung zu Gast. 2013 hatte das Camp schon einmal bei der Germania stattgefunden, 2014 machte die Eintracht Fußballschule bei der Viktoria Station. Von der Eintracht Fußballschule waren am Wochenende neben Clemens Appel mit Manfred Binz und Cezary Tobollik weitere Ex-Profis dabei. Den Rest des Trainerteams stellte mit Lars Karopka, Sebastian Jahn, Matthias Brox, Piri Sofu und Ugur Yaser die Germania. Die fünf Jugendtrainer hatten im Vorfeld an einer Schulung in der Commerzbank-Arena teilgenommen. Dort wurden ihnen die Trainingsprinzipien der Eintracht Frankfurt Fußballschule vermittelt. Somit waren die Voraussetzungen geschaffen für zwei abwechslungsreiche Tage.

Manni Binz zweiter Rekordmann

Charly Körbel regte bei der Eröffnung zur Freude des Mainova-Leute an, dass man bei der Germania auch auf dem Hauptplatz eine Flutlichtanlage errichten könnte. Im Mittelpunkt stand aber das Sportliche. Da wurde die Germania nicht nur von einem Rekordmann betreut. Neben Körbel, der 602 Spiele in der Bundesliga absolviert hat, war mit Manfred „Manni“ Binz auch jener Ex-Profi im Trainerteam, der einst in der Bundesliga 246 Spiele am Stück absolviert hatte. Ebenfalls für die Eintracht und ebenfalls Bundesliga-Rekord.

"Rekord schafft keiner mehr"

Dass seine Bestmarke von 602 Spielen in der Bundesliga in naher Zukunft gebrochen wird, glaubt Charly Körbel übrigens nicht. Der 62-Jährige, der noch regelmäßig für die Eintracht-Traditionself („Das macht mir Spaß. So lange ich fit bin, werde ich das auch weiter machen“) aufläuft, sagt sogar: „Das schafft wohl keiner mehr. In der heutigen Zeit, wo alles so schnelllebig ist, ist das kaum noch möglich. Das könnte höchstens noch ein Torwart schaffen.“ Ein Blick auf die Bundesliga-Rekordliste bestätigt das. Der Neu-Kölner Claudio Pizzaro, der mit seinen 39 Jahren sicher nicht mehr allzu lange spielen wird, kommt von den noch aktiven Spielern Körbel mit 432 Spielen am nächsten.

Große Resonanz auf Seniorenheim-Pläne

In einer Serie der Sport-Bild über jene Bundesliga-Spieler, die über 500 Einsätze haben, verriet Charly Körbel kürzlich, dass er darüber nachdenkt, ein Seniorenheim für ehemalige Profifußballer aufzubauen. Nach der Veröffentlichung schlug das Thema hohe Wellen. „Auf das Interview gab es eine riesige Resonanz in ganz Deutschland. Ich habe vier Angebote  von Investoren vorliegen. Das ist unglaublich. Auf der Geschäftsstelle unserer Fußballschule liegen mittlerweile Bewerbungen von Pflegern und Managern, die mitarbeiten wollen“, verrät Körbel. In näherer Zukunft will er sich mit den Konzepten noch einmal genauer beschäftigen, macht Körbel klar, dass die Idee nicht nur ein Gag war, sondern es ihm durchaus ernst ist.

Klopp Ideengeber

Ideengeber war für Körbel übrigens ein anderer Fußball-Promi: „Vor zwei Jahren hatte ich ein Gespräch mit Jürgen Klopp. Der hat sich Gedanken darüber gemacht, was passiert, wenn er in Rente geht. Dann möchte er mit Leuten zusammen sein, mit denen er Spaß haben kann. Seitdem hatte ich die Idee mit dem Seniorenheim für Ex-Profis im Kopf“, verrät Körbel.

Borchers und Bommer ziehen mit ein

Bei seinen Weggefährten stieß die Idee durchaus auf ein positives Echo, auch wenn es bis zum eigenen Einzug ganz sicher noch ein paar Jahre hin ist. „Ich hatte von meiner Idee auch bei der Eintracht-Traditionsmannschaft erzählt. Ronny Borchers und Rudi Bommer haben gleich gesagt, dass sie dabei sind“, berichtet Körbel. Jürgen Klopp könnte dann ja ein paar Jahre später quasi als Nesthäkchen hinzukommen.