Seit Samstag ist so gut wie sicher, dass die Fußballsaison 19/20 in Hessen abgebrochen wird. Es soll zwar Aufsteiger, aber keine Absteiger geben. Diese (Vor)-Entscheidung des Vorstandes des Hessischen Fußballverbandes (HFV) macht die SG Mosbach/Radheim in der Kreisliga A Dieburg zum Meister, der FV Eppertshausen wird dagegen zum Härtefall. Am Tabellenende gibt es einen unverhofften Klassenerhalt.

HFV-Verbandstag muss Vorschlag des Vorstandes noch absegnen 

Auch wenn ein außerordentlicher Verbandstag Mitte Juni die Empfehlung noch absegnen muss, darf sich die SG Mosbach/Radheim bereits jetzt über die Meisterschaft und den Aufstieg in die Kreisoberliga Dieburg/Odenwald freuen. Mit seiner Empfehlung nahm der Verbandsvorstand nämlich das Votum der 32 Fußballkreise in Hessen auf. Auch im Fußballkreis Dieburg hatten sich in der vergangenen Woche bei einer Videokonferenz die Vereine mit großer Mehrheit für einen Saisonabbruch wegen der Corona-Krise ausgesprochen. Mit Aufsteigern, aber ohne Absteiger. Man muss kein Prophet sein um vorherzusagen, dass die Delegierten auf dem Verbandstag den Willen ihrer Vereine umsetzen werden. Eine Fortsetzung der Saison 19/20 im Herbst, wie es etwa in Bayern vorgesehen ist, ist in Hessen kein Thema mehr. Auch wenn diese Option beim Verbandstag offiziell ebenfalls noch zur Abstimmung gestellt werden wird. 

Quotientenregel gibt Ausschlag für Mosbach/Radheim

Mosbach/Radheim darf sich damit über den ersten KOL-Aufstieg der seit 2008 bestehenden Spielgemeinschaft freuen. Der FV Eppertshausen steht in der Tabelle zwar vor den punktgleichen Mosbach/Radheimern, die ein Spiel weniger ausgetragen haben. Unter Berücksichtigung der Quotientenregel hat Mosbach/Radheim (241,18) vor Eppertshausen (227,78) allerdings die Nase vorn. Die Quotientenregel kommt zum Einsatz, da die Mannschaften teilweise eine unterschiedliche Anzahl an Spielen absolviert haben. Die Anzahl der erzielten Punkte wird durch die Anzahl der absolvierten Spiele geteilt und mal 100 genommen.

SG-Team bleibt zusammen

Lange Zeit führte Mosbach/Radheim die Liga überraschend deutlich an, ehe Eppertshausen dann heran kam. „Natürlich ist es schwierig für die Spieler“, sagte SG-Spielertrainer Kai Muhl vor einigen Wochen. Insgesamt war man bei der SG aber „relativ entspannt“. Das kann man nun umso mehr sein. Mit großer Vorfreude sieht die Spielgemeinschaft den Planungen für die KOL-Saison entgegen, die eventuell im September beginnen wird. Die Mannschaft, die viele Eigengewächse hat, bleibt auch in der neuen Saison, wann immer diese auch beginnen mag, zusammen. Auch Kai Muhl selbst hat bereits in der Winterpause für die kommende Runde zugesagt. Zudem kommen wieder etliche Spieler aus der Jugend hoch in die drei Aktivenmannschaften der SG.

Spieler laufen 1.750 Kilometer

Konditionell sind die SG-Spieler übrigens topfit. Kürzlich lief eine Aktion der Mannschaft aus. 1.750 Kilometer liefen die Spieler der SG vom 15. April bis zum 15. Mai im individuellen Training. Danach floß eine gewisse Summe vom Verein in die Mannschaftskasse. Eine App lieferte die Daten zu den Laufeinheiten. Spielertrainer Kai Muhl hate zahlreiche Screenshots von seinen Spielern geschickt bekommen.

Eppertshausen hat noch Hoffnung auf Aufstieg

Der FV Eppertshausen droht ausgerechnet in seinem 100. Jubiläumsjahr zu einem Härtefall zu werden. „Es kann schon sein, dass wir zu den Verlierern zählen. Das wäre natürlich absolut ärgerlich“, sagt FVE-Trainer Marco Saul, dessen Team der Konkurrenz gemeinsam mit Mosbach/Radheim weit enteilt war. Laut dem Vorschlag der HFV-Vorstandes für den Verbandstag, soll ein Relegationsplatz nicht zum Aufstieg berechtigen. Das letzte Wort scheint da aber noch nicht gesprochen zu sein. „Im Vorfeld des außerordentlichen Verbandstages muss die Frage, wie mit dem Thema Relegation und Aufstiegsspiele umzugehen ist, noch abschließend geklärt werden“, steht in der HFV-Mitteilung zum Vorstandsbeschluss. Hierzu werde noch eine rechtliche Prüfung erfolgen.

Eppertshausen letztmals 2005 in der KOL

„Was ich nicht verstehen will: warum werden Aufsteiger errechnet und Absteiger nicht“, sagt Marco Saul. Die Variante mit den Absteigern stand auch bei der Abstimmung der Vereine des Dieburger Fußballkreises zur Debatte, fand aber keine Mehrheit. „Vor dem Hintergrund, dass ein Abstieg nicht nur sportlich, sondern auch wirtschaftlich in der Regel schwerer wiegt als ein Nichtaufstieg, sollen keine Absteiger ermittelt werden“, schreibt der HFV in einer Mitteilung zum wahrscheinlichen Saisonabbruch. Egal wie es ausgeht, man wolle gestärkt aus der Saison herausgehen, so Marco Saul. Falls man als Zweiter nicht aufsteigen dürfe, dann sei der Aufstieg „nur aufgeschoben, aber nicht aufgehoben“. Eppertshausen spielte letztmals 2005 in der Kreisoberliga.

Videokonferenzen in Zeiten von Corona

In den kommenden Wochen will Marco Saul das Training in reduziertem - coronagerechten Umfang - wieder aufnehmen. Unter anderem über WhatsApp blieb er mit seinem Team in den vergangenen Wochen in Kontakt. Es gab auch schon mehrfach Mannschaftstreffen per Video-Konferenz. Wenn schon nicht auf dem Trainingsplatz, so hielt man zumindest so die Verbindung. Zu Beginn der Zwangspause hatte Saul, der im April vergangenen Jahres zum zweiten Mal als Trainer beim FVE eingestiegen war, seinen Spielern noch Aufgaben fürs individuelle Training mitgegeben. Als klar war, dass die Pause länger dauern wird, hat er das hinten an gestellt „Es fehlt der Tag, auf den man hinarbeiten kann. Die Jungs halten sich aber auch so alleine fit.“ Nun soll er langsam wieder mit dem Training los gehen. Nicht so sehr aus sportlichen Gründen, sondern um sich einfach mal wieder im Kreise der Mannschaft persönlich zu sehen.

Perfekte Lösung gibt es nicht

In Bayern ist die Saison bis Ende August ausgesetzt und soll dann, wenn möglich, ab September zu Ende gespielt werden. Das wäre auch das Modell, das Marco Saul, der in Eppertshausen bereits im März für die kommende Saison zugesagt hatte, für Hessen favorisiert hätte. Wohl wissend, dass es gerade in diesen Tagen Wichtigeres als Fußball gibt und auch dieser Schritt mit Blick auf die Saison 20/21 neue Probleme verursachen würde. „Ich kann jeden verstehen, der sich dafür ausspricht, die Saison abzubrechen. Die sportlich fairste Lösung wäre, wenn man irgendwann die Saison zu Ende spielen könnte. Ich bin froh, dass ich diese Entscheidung nicht treffen muss“, hatte Saul bereits vor einigen Wochen Verständnis für die Verbandsverantwortlichen gezeigt.. Eine perfekte Lösung gäbe es in der aktuellen Situation nicht, so Saul, der die Fortsetzung der Saison im Profifußball zum jetzigen Zeitpunkt übrigens kritisch sieht. 

Klassenerhalt für Schaafheim und Schlusslicht KSV Urberach

Kurios: Am Tabellenende darf Schlusslicht KSV Urberach mit nur drei Punkten in der Liga bleiben. Der Vorletzte Viktoria Schaafheim muss keine Relegation spielen.