Zum Jahresende trat Matthias Schwinn überraschend als Trainer beim A-Ligisten PSV Groß-Umstadt zurück. Nun hat er sich zu den Gründen geäußert.

Tabelle & Statistik Kreisliga A Dieburg

In Sachen Disziplin "zwei Schritte zurück" gemacht

„Ich habe mir die Entscheidung nicht leicht gemacht“, sagte Schwinn, der den PSV seit Oktober 2015 trainierte und in der vergangenen Saison ungeschlagen zur souveränen Meisterschaft in der B-Liga geführt hatte. Als Aufsteiger steht der PSV mit sechs Siegen, neun Unentschieden und nur zwei Niederlagen auf einem guten siebten Platz. Sportliche Gründe haben Matthias Schwinn nicht zum Rücktritt bewogen.  „Undiszipliniertheiten“ seien der Hauptgrund gewesen, so Schwinn. „Da sind mehrere Dinge passiert, da haben wir wieder zwei Schritte zurück gemacht.“ 


Spielabbruch als negativer Höhepunkt

Die Portugiesen waren bereits in früheren Jahren mit Undiszipliniertheiten aufgefallen, etwa im April 2017 beim Spielabbruch in Niedernhausen, als sogar ein Polizeieinsatz nötig war. „Das hat uns damals den Aufstieg gekostet“, erinnert sich Matthias Schwinn sehr ungern. In der vergangenen Meistersaison sah Schwinn, dem Respekt untereinander und der gegnerischen Mannschaft gegenüber sehr wichtig ist, seine Mannschaft nicht nur sportlich, sondern auch in Sachen Disziplin auf einem guten Weg. In dieser Saison seien allerdings wieder „mehrere Dinge passiert“, die zu seinem Rücktritt geführt hätten. Schwinn spricht einige Platzverweise an, negativer Höhepunkt sei aber der Abbruch der Partie bei der SG Mosbach/Radheim Mitte November gewesen. Damals habe ein Spielausschussmitglied der Groß-Umstädter den Schiedsrichter beleidigt. Der Unparteiische brach die Partie, die im neuen Jahr wiederholt werden muss, ab. Vereinsintern sei das Spielausschussmitglied bis zum Saisonende gesperrt worden. Das habe beim PSV, so Schwinn, eine „Riesenwelle“ ausgelöst. Einige Spieler wollten im Anschluss an das Mosbach-Spiel nicht mehr für den PSV auflaufen.

"Muss sich etwas verändern" 

Von Vereinsseite, so Matthias Schwinn, habe man versucht, ihn vom Rücktritt abzubringen. Vergeblich. „Es ist zu viel passiert. Ich wollte auch ein Zeichen setzen, dass sich etwas verändern muss“, sagte Schwinn, der mit dem PSV mittelfristig in die Kreisoberliga wollte.  Auf der Facebookseite bedauern die Vereinsverantwortlichen des PSV den Rücktritt von Matthias Schwinn: „Der PSV nimmt diesen Schritt mit großen Bedauern zur Kenntnis. Wir bedanken uns bei Matthias für die in den letzten drei Jahren geleistete Arbeit und wünschen ihm alles Gute für die Zukunft.“ Ein Nachfolger soll bald gefunden werden.

Im Nachgang zur Berichterstattung über den Rücktritt gab der PSV-Vorstand auf seiner Facebookseite eine Stellungnahme ab. Wir veröffentlichen die Stellungnahme hier in voller Länge.

Aus gegebenem Anlass möchten wir, Vorstand des PSV Groß-Umstadt e. V., uns zum Rücktritt von Matthias Schwinn und zu seinen Vorwürfen über die Presse (kick-dieburg) äußern und für Aufklärung sorgen.

Der gesamte Verein ist über die Aussagen, die Matthias Schwinn einige Tage nach seinem Rücktritt über unseren Verein berichtet hat, maßgeblich empört. Wie bei kick-dieburg.de zu lesen ist, spricht unser Ex-Trainer von „einigen Platzverweisen“ und von dem Spielabbruch bei der SG Mosbach/Radheim, die zu seiner Entscheidung geführt haben. Des Weiteren wird erwähnt, dass „man von Vereinsseite versucht habe, ihn vom Rücktritt abzubringen“. Hierzu möchten wir einiges klarstellen:

1.) Zunächst mal möchten wir das Wort „Undiszipliniertheiten“ auch mal in Zahlen in Form der Roten Karten ausdrücken lassen. Schauen wir uns die Fairnesstabelle an, die auf Fussball.de für alle einsehbar ist, so haben unsere beiden Teams bisher jeweils eine (!) Rote Karte kassiert, die nicht aus einer Tätlichkeit oder Ähnliches zurückzuführen ist. Bei bereits 17 absolvierten Partien (19 in der 2. Mannschaft), bewerten wir diese Statistik von einer Roten Karte bei beiden Mannschaften nicht als negativ.

2.) Als Hauptgrund wird jedoch der Abbruch beim Auswärtsspiel bei der SG Mosbach/Radheim am 18.11.2018 genannt, bei dem der Schiedsrichter in der 68. Spielminute die Partie – rechtswidrig – abgebrochen hatte. Als Grund nannte der Schiedsrichter das unsportliche Verhalten einiger unserer Zuschauer während dem Spiel. Dies wurde vom Kreissportgericht Dieburg folgerichtig als ein rechtwidriger Abbruch entschieden, da sich aus dem Spiel heraus keine Verstöße ergeben hatten. Demnach lag auch kein Verschulden unserer Mannschaft vor, sodass sie diesen Abbruch auch nicht zu verantworten hat. Lediglich unser Verein musste sich dieses unsportliche Zuschauerverhalten zuschreiben lassen und wurde mit einer Geldstrafe i. H. v. 200€ geahndet [Als Bildanhang (hier direkter Facebook-Link) sind die entsprechenden Passagen aus dem Urteil des Kreissportgerichts beigefügt].

An dieser Stelle möchten wir jedoch erwähnen, dass solche Provokationen in den meisten Sportplätzen vorkommen und einfach schwer wegzubekommen sind. Die Wahrscheinlichkeit steigt bei uns dann noch ein ganzes Stück, da wir – bekannterweise – auch deutlich mehr Zuschauer bei den Spielen haben als andere Mannschaften. Wir bedauern zwar natürlich diesen Spielabbruch, möchten aber in aller Deutlichkeit klarstellen, dass niemand von der Mannschaft dies zu verantworten hat.

3.) Zum letzten Absatz ist nur zu erwähnen, dass alle vom Rücktritt sehr überrascht waren, denn es gab keinerlei Anzeichen dafür, dass Matthias zurücktreten wollte. Allerdings bekam der Vorstand diese Meldung und dies wurde der Mannschaft auch unverzüglich mitgeteilt. Wir dementieren dennoch die Aussage, dass man versucht habe, ihn vom Rücktritt abzubringen, weder Spieler noch Vorstandsmitglieder.

Wir glauben Matthias hatte eine schöne Zeit beim PSV Groß-Umstadt e. V., sodass wir sehr überrascht sind über die negativen Aussagen über uns. Nichtdestotrotz möchten wir uns bei Matthias Schwinn für die Entwicklung, die dieser Verein genommen hat, bedanken und wünschen ihm alles Gute für die Zukunft.
Nun ist dieser Kapitel aber für uns abgeschlossen. Die nächsten Monate sind bereits in Planung und wir werden zeitnah weiteres bekanntgeben, denn unser Team hat noch sehr viel Entwicklungspotenzial und das möchten wir in naher Zukunft nutzen, um eines Tages in die Kreisoberliga aufzusteigen.

In diesem Zusammenhang möchten wir den Spielbericht von uns vom Spiel bei der SG Klingen erwähnen, der für großen Wirbel gesorgt hat, wenige Zeit später aber wieder von der Facebook-Seite genommen wurde. Als Konsequenz entschied man sich gegen jegliche Art der Nachbetrachtung für die restlichen Spiele der Saison auf der offiziellen Facebook-Seite.

Vorstand PSV Groß-Umstadt e. V.